AURIKULOTEMPORALES SYNDROM
Aurikulotemporalisneuralgie (Aurikulotemporalis-Neuralgie)
Ein aurikulotemporales Syndrom wird auch als Aurikulotemporalisneuralgie oder Fr ey-Syndrom bezeichnet. Manche Autoren schreiben das Wort Aurikulotemporalisneuralgie auch mit Bindestrich (Aurikulotemporalis-Neuralgie).
Die Schmerz ausbreitung entspricht der anatomischen Lage des Nervus aur iculotemporalis. Dieser ist ein Ast des N. mandibularis (= Nerv des Unterkiefer s), er zweigt nahe der Flügelgaumengrube ab und gelangt zwischen Kiefergelenk und Meatus acusticus (= Gehörgang) unter die Parotis (= Ohrspeicheldrüse), wo er sich aufzweigt. Der Nervus mandibularis ist der 3. Ast des 5. Hirnnervs (N. trigeminus).
Das
Schmerz
bild ist charakterisiert durch anfallsartig auftretende,
brennende
Schmerzen prä- und periaurikulär (=
vor und um das
Ohr herum)
und vor allem an der
Schläfe. Der Patient verspürt im betroffenen Bereich ein Wärme-
und/oder Spannungsgefühl.
Diagnostisch richtungsweisend sind Hautrötung und Hyperhidrose
(= vermehrtes
Schwitzen) im Oh r-Sch läfen-Bereich,
ausgelöst durch örtliche Reizung des Nervs sowie durch bestimmte Speisen (sog.
Geschmacksschwi tzen).
In der Regel liegt anamnestisch (=
die Vorgeschichte betreffend)
eine Parotiserkrankung (=
Erkrankung der Ohrspeicheldrüse) vor,
meist entzündlicher Natur. Auch Verletzungen der Parotis sollen zu diesen
Gesichtsschmerzen
führen können (Thoden 1987).
Schmerzbehandlung bei der Aurikulotemporalisneuralgie (aurikulotemporales Syndrom):
Leider schlagen bei der Aurikulotemporalis-Neuralgie (aurikulotemporales Syndrom) die üblichen Analgetika (= Schmerzmittel) meist nicht oder nur ungenügend an, deutlich besser wirksam sind dagegen Antikonvulsiva (= krampflösende Mittel) wie Carbamazepin oder Gabapentin bzw. Pregabalin (= Mittel gegen das Krampfleiden, aber auch bei Neuralgien hilfreich).
Ein aurikulotemporales Syndrom spricht zuverlässig
auf die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Betäubung
bzw. Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an und zwar in Form
von wiederholten
Nervenblockaden des Nervus mandibularis durch die
Incisura mandibulae (=
Einbuchtung des Unterkiefers nahe am Kiefergelen k) hindurch
in der Fossa pterygopalatina
(= Flügelgaumengrube, zwischen dem Flügelfortsatz des Keilbeins hinten und der
senkrechten Platte des
Gaumen
beins gelegen).
Zusätzlich können flächenhafte Infiltrationen im Ausbreitungsgebiet (Sch läfe
und um das Oh r herum) durchgeführt werden.
In hartnäckigen Fällen sind
Stellatumblockade
n
(= Blockaden, Betäubungen einer vegetativen Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich)
mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
zu empfehlen, optimal
kontinuierlich
mit Katheter.
Ist das Schmerzbild mehr atypischer Natur (nicht ausgesprochen attackenförmig),
also im Sinne einer Aurikulotemporalis-Neuropathie, können auch schmerzdistanzierende Antidepressiva
in Kombination mit
Schmerzmittel versucht werden.
Besteht ein chronisches Schmerzsyndrom längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung kaum mehr ausreichend, sondern es muss im Rahmen von psychologisch /psychotherapeutische Interventionen auch eine spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
Die vegetativen Beschwerden (Schweißbildung, Geschmacksschw itzen) sollen mit einer Botulinum-Injektion gut beherrschbar sein.
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